Diözesanmusikdirektor em. Professor Josef Kohlhäufl wird 90
Kirchenmusik als Leidenschaft /
Geboren wurde Josef Kohlhäufl am 23. März 1936 in Oberwalting/Gemeinde Leiblfing bei Straubing. Er ist der Drittgeborene von sieben Brüdern, zu denen als Zweitjüngster auch Fußballer-Legende Alfred Kohlhäufl gehört. Schon in seiner Zeit als Klosterschüler in Gars am Inn und dann vor allem in Günzburg lernte der junge Chorsänger und Organist die kirchenmusikalische Praxis kennen, darunter das gesamte Repertoire des Gregorianischen Chorals.
Nach seinem Studium an der Kirchenmusikschule Regensburg und dem Erwerb eines Gregorianik-Bakkalaureats des Päpstlichen Instituts für Kirchenmusik in Rom wurde Kohlhäufl Ende der 1950er Jahre vom damaligen Regensburger Domkapellmeister Theobald Schrems zu den Domspatzen verpflichtet. Als Leiter eines Nachwuchschors und der Choralschola war es dort seine Aufgabe, Choristen und Solisten „abzuliefern“, also auf den liturgischen und konzertanten Dienst vorzubereiten. Dabei vertrat er hin und wieder auch den erkrankten Schrems im Ersten Chor. Aus dieser Zeit nahm Kohlhäufl die Erfahrung mit, „dass die Liturgie wichtiger ist als das Konzert und dass für sie das musikalisch Anspruchsvollste gerade gut genug ist“.
Ab dem Schuljahr 1964/1965 wechselte der gebürtige Niederbayer in den Staatsdienst und wurde Lehrer für Musik, Religion, Kurzschrift und Maschinenschreiben an der Albert-Schweitzer-Realschule in Regensburg, parallel dazu leitete er die Kirchenmusik der Dreifaltigkeitsbergkirche als Dirigent und Organist. Bereits 1959 hatte er seine Frau Gertraud geheiratet, aus der Ehe gingen die drei ebenfalls sehr musikalischen Kinder Martin, Ursula und Michael hervor.
1976 wurde Kohlhäufl zum Diözesanmusikdirektor des Bistums Regensburg berufen und gab auch hier bei Seminaren und Schulungen sein Credo weiter, dass die Tätigkeit der Kirchenmusiker keine bloße „Umrahmung“ ist. In die Zeit dieses Amts fällt zudem die Übernahme neuer wichtiger Chorleiter-Aufgaben, die prägend für Kohlhäufls künstlerische Entwicklung werden sollten. Dabei sticht vor allem die Tätigkeit als Stiftskapellmeister an der Basilika Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle (1984-2011) und als Leiter des Chores der Weltenburger Musikgemeinschaft (1982-2011) hervor. Ging es in Weltenburg schwerpunktmäßig um die Pflege der benediktinischen Musiktradition in Form von Orchestermessen (Mozart, Haydn, Schubert, aber auch Klosterkomponisten), war es an der Alten Kapelle die Pflege der hier begründeten „Regensburger Tradition“ mit den a-cappella-Aufführungen von Werken Alter Meister und ihrer Nachfolger im 19. Jahrhundert sowie des Gregorianischen Chorals. Doch gehörten hier ebenfalls Orchestermessen zum regelmäßigen Repertoire, entsprechend der Erkenntnis Josef Kohlhäufls: „Schaut euch die Alte Kapelle an: Diese Rokoko-Ausstattung schreit ja geradezu nach einem Mozart-Messerl!“
Wollte man aus der Fülle solch reichen Musikschaffens eine einzelne Facette herausgreifen, dann wäre es sicher Kohlhäufls Liebe zur Gregorianik in historisch orientierter Aufführungspraxis. Dafür steht seine Gründung der Choralschola ehemaliger Regensburger Domspatzen (1977), die 1988 beim Chorwettbewerb in Arrezzo einen 1. Preis gewann, sein wissenschaftliches Aufbaustudium des Gregorianischen Chorals an der Folkwang-Hochschule Essen (1984-1988), seine Professur für Gregorianik und Liturgik an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien (1990-2004), seine Mitarbeit an der Herausgabe des neuen Choralbuchs „Graduale Novum“ (ab 2011).
Fragt man den heute 90-Jährigen nach dem bewegendsten Moment in seinem Leben als leidenschaftlicher Kirchenmusiker, dann nennt er neben der Leitung des Requiems für den 1963 verstorbenen Domkapellmeister Theobald Schrems die Weihe der Papst-Benedikt-Orgel in der Alten Kapelle am 13. September 2006. Dass Benedikt XVI. selbst die Weihe des von Josef Kohlhäufl initiierten Projekts vornahm, lässt diesen heute noch schwärmen: „Mehr kann ein Kirchenmusiker nicht erleben.“